Samstag, 19.05.2018

San Andrés Islas

Die kolumbianische Insel San Andrés wird oft auch klein Jamaica genannt, und es wird von ihr gesagt, dass, wenn man zu zweit herkommt, man zu dritt wieder nach Hause kehrt. San Andrés liegt weit von Kolumbien entfernt, schon auf der Höhe Nicaraguas, und hat nicht nur viele Partys, Dreadlocks und jede Menge Reggae zu bieten, sondern ist auch bekannt für das „Mar de siete colores“, das siebenfarbige Meer. Für uns Austauschschüler war San Andrés unsere letzte große Reise, weshalb wir umso mehr freuten.

Auf der Fahrt vom Flughafen bis zum Hotel war sehr schnell klar: wir waren in einem kleinen Paradies gelandet. Links neben uns lag der weiße Sandstrand voller Palmen und das Meer in hellblauem Wasser. Rechts sahen wir große Strandhäuser mit Verandas auf denen Bob Marley ähnelnde Inselbewohner saßen und sich sonnten. Am Eingang des Hotels wurden wir sofort von einer Gruppe Tänzer und dem Lied „Buffalo Soldier“ empfangen. Auch unsere Herberge sah sehr schön aus und war mit drei Pools ausgestattet, die wir aber gar nicht wirklich nutzten, da wir ja nah am Meer wohnten. Bevor wir aber den Traumstrand genießen konnten, stand am ersten Tag Arbeit auf dem Programm. Gemeinsam mit weiteren Jugendlichen bemalten wir eine alte Schule in bunten Farben. Diese Aktion gehörte zu einem Projekt, durch das auf San Andrés verschiedene Institutionen oder Häuser bemalt werden und die Bewohner danach Unterstützung bekommen. Das ist natürlich eine sehr schöne Idee, bei 35° den ganzen Tag Wände zu bestreichen ist allerdings unglaublich anstrengend. Verschwitzt und sehr müde kamen wir am Abend dieses Tages ins Hotel zurück. Zeit zum Ausruhen gab es nicht. Kurz darauf fand unsere erste Reggae Party, gemeinsam mit den Tänzern des Hotels, statt. 

Unser Hotel   

Mit Badesachen und jeder Menge Sonnencreme fuhren wir am nächsten Morgen zu dem Strand einer weiteren kleinen Insel in der Nähe. Hier konnte ich fünf der sieben Blautöne des Meeres erkennen. Vorher habe ich noch nie so strahlend blaues Wasser gesehen, von türkis bis baby-blau. Auf der Insel gab es erst einmal einen Cocktail in einer Kokosnuss, danach konnten wir fast den ganzen Tag entspannen, auf dem Meer treiben oder einmal um die Insel laufen, was nicht lange dauerte. Obwohl wir uns alle fleißig eincremten, hatte am Ende des Tages jeder einen Sonnenbrand. Das war sehr passend, weil wir daraufhin unsere Fiesta Blanca, eine weitere Party mit weißem Dresscode hatten, und jeder weiß-rot aussah.

Am vorletzten Tag wurden wir morgens von einem Bus abgeholt, mit dem wir eine Tour um die Insel machten, was weniger als zwei Stunden dauerte. Zwischendurch besuchten wir auch ein Piratenmuseum, wobei das, was man in Kolumbien unter Museum versteht, mich bis jetzt meistens enttäuscht hat. Oft handelt es sich um nicht weniger als ein paar Papptafeln und Fotos in einem Raum, und verkleidete Leute, wie in diesem Fall als Piraten. In einem sehr schicken Restaurant aßen wir guten Fisch zu Mittag und hatten danach Zeit zum Shoppen. Die Preise auf der Insel liegen für Kolumbien ungewöhnlich hoch. Die meisten Touristen die hierherkommen, sind Kolumbianer. Das traumhafte Meer zieht aber auch immer wieder einige Amerikaner nach San Andrés. Auch am Abend gab es sehr gutes italienisches Essen, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen hatte.

Als wir am letzten Tag das Aquarium besuchten, machten wir uns nicht mit einem normalen Boot auf den Weg, sondern mit einem Partyschiff. Die typischen Lieder der Insel kannten wir inzwischen von den vorherigen Tagen und konnten sie schon mitsingen. Im Aquarium gab es nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte, ein Paar Fische hinter Fensterglas, sondern es war viel besser. An einer flachen Stelle im Meer, an der viele Fische schwammen, gingen wir schnorcheln. Ich sah viele kleine, gemusterte Fische. Als ich über einen Felsen klettern wollte, zu einer Stelle an der es größere Tiere gab, konnte ich nicht weiter, weil der ganze Boden mit Seeigeln bedeckt war. Wenig später fuhren wir weiter, zu einem anderen Badeort, an dem einige Leuten von kleinen Klippen sprangen. Das Wasser an dieser Stelle war so klar, dass ich ohne Taucherbrille sechsmetertief den Meeresgrund und Pflanzen unter mir sehen konnte. Am nächsten Morgen, als wir zum Flughafen abgeholt wurden, wollte keiner von uns die Insel wieder verlassen. Unser Leben in Kolumbien ist für uns zum Alltag geworden und San Andrés war ein richtiger Urlaub.

 

Montag, 30.04.2018

Abstecher nach Peru

Der Amazonasteil, der durch Kolumbien fließt, ist nur sehr kurz und verläuft durch die untere Spitze des Landes. Genau hier befindet sich auch die Grenze zu Brasilien und das Ufer der anderen Seite des Amazonas gehört bereits zu Peru. Dieser Punkt, an dem die drei Länder aufeinandertreffen, wird Tres Fronteras (drei Fronten) genannt, und gab uns die Möglichkeit ohne Visum zwei Tage ein wenig Peru kennenzulernen.                                                             

Obwohl es sich nur um die andere Seite des Flusses handelte, fiel uns, als wir aus unserem Boot ausstiegen und so offiziell in Peru waren, sofort eines auf: Peruaner sehen anders aus, als Kolumbianer. Ihre Augen sind kleiner und lassen sie viel südamerikanischer aussehen. Juan, der Organisator dieses Teiles der Reise, begrüßte uns sehr herzlich und zeigte uns unsere nächste Herberge. Zu unserer großen Freude gab es hier nicht nur Moskitonetze, sondern auch Ventilatoren, was eine starke Verbesserung zu unserem ersten Hotel war. Nach dem Auspacken hatten wir Freizeit und liefen durch das nahegelegene, sehr niedliche, Dorf. Hier waren wieder einmal alle Hütten schön bemalt, und sogar die kleine Militärstation war mit Bildern von Affen und Palmen verschönert. Es gibt drei Dinge, die man in jedem noch so kleinen südamerikanischen Dorf findet: eine Schule, eine Kirche und einen Fußballplatz. So spielten auch wir Fußball, mit den Ureinwohnern und auch untereinander. Wenig später wurden wir zum Abendessen gerufen. Es gab ein sehr würziges, peruanisches Fleischgericht mit Reis, was uns eine gute Abwechslung zur kolumbianischen Küche bot, in der nur wenig Gewürze benutzt werden. Als es dunkel wurde, fuhren wir noch einmal auf den Amazonas, diesmal mit dem Ziel Krokodile zu sehen. Diese zeigten sich leider nicht. Die Fahrt lohnte sich aber trotzdem, alleine um die wahnsinnig laute Geräuschkulisse aus Froschquaken, Vogelgezwitscher, Grillenzirpen und anderen Tierlauten zu hören. Während wir mit unseren Taschenlampen in das Gestrüpp leuchteten, sahen wir riesige Spinnen zwischen den Bäumen, die man lieber nicht in seinem Schlafzimmer haben möchte. Als wenn diese nicht schon gruselig genug gewesen wären, erzählte uns Juan, als wir daraufhin wieder in unserer Herberge ankamen, noch Geschichten über den Amazonas. Alle handelten von Menschen die verschwunden waren, denen seltsame Dinge geschehen sind, oder die tot im Fluss aufgefunden wurden. Zum Schluss wünschte er uns lächelnd eine gute Nacht und wir gingen, ziemlich verängstigt, in unsere Zimmer. Am nächsten Morgen war all das aber schon wieder vergessen. Nach dem Frühstück besuchten wir eine Tieraufzugsstation. Hier werden kranke Tiere betreut, bis sie wieder in die freie Wildbahn ausgesetzt werden können. Von einem der Wärter wurde mir sofort ein großer Papagei auf den Arm gesetzt. Anschließend durfte ich auch eine Anakonda halten, die sehr schwer auf meinem Rücken lag. Doch mein absolutes Lieblingstier war das Faultier. Es bewegt sich tatsächlich beinahe in Zeitlupe und wenn man es auf den Arm nimmt, hängt es sich an deine Schulter. Ich saß ungefähr eine halbe Stunde da, glücklich, dieses unglaublich süße Tier auf dem Arm zu halten. Danach mussten wir leider schon wieder los, auf unsere Boote, um Peru zu verlassen, was wir zwar nicht wirklich kennengelernt hatten, aber trotzdem stolz waren, es zumindest betreten zu haben. Wieder in Leticia ging es direkt in unser Flugzeug nach Bogota, wo das „normale Leben“ auf uns wartete, und wir das erste Mal seit sieben Tagen aufhören konnten zu schwitzen.

                                  

Sonntag, 29.04.2018

Reise zum Amazonas

Meine Fahrt zum Amazonas war für mich das wahrscheinlich beste Erlebnis meines Austauschjahres. Der zweitlängste Fluss der Welt wird nicht ohne Grund als „magisch“ bezeichnet. Die Artenvielfalt in seiner Umgebung ist unglaublich und die Geschichten die uns über ihn erzählt wurden sind nicht nur interessant, sondern manchmal auch unheimlich.

Schon als wir in unserer großen Gruppe von 50 Austauschschülern im Flugzeug saßen und aus dem Fenster schauten, waren wir beeindruckt davon, wie lange wir über den dunkelgrünen Regenwald flogen. Kolumbien ist zwar drei Mal so groß wie Deutschland, oft wird aber vergessen, dass große Teile des Landes aus Dschungel bestehen. Nach unserem zweistündigen Flug kamen wir in Leticia an, der Hauptstadt des kolumbianischen Amazonasgebietes. Außerhalb dieser Stadt leben nur sehr wenig Menschen am Amazonas und der größte Teil von ihnen sind indigene Völker die sich kleine Dörfer am Ufer gebaut haben. In Leticia wurden unsere Koffer direkt auf Boote geladen und auch wir befanden uns wenig später auf dem riesigen Fluss. Der Amazonas ist an verschiedenen Punkten bis zu sechs Kilometer breit, und auch an der Stelle an der wir losfuhren, war er so weit, dass er weniger wie ein Fluss, als wie ein großer See aussah. Während wir uns alle ganz begeistert unterhielten und erste Fotos machten, rammte mein Boot einen Baumstamm und der Motor ging kaputt. So trieben wir gleich am ersten Tag unkontrolliert auf dem Amazonas. Während wir auf ein Hilfsboot warteten, brachte die Strömung uns zu einer kleinen Insel, die schon zu Brasilien gehört. Austeigen konnten wir hier allerdings nicht, da es inzwischen angefangen hatte zu Gewittern. Der starke Regen prasselte auf das Dach des Bootes, auf dem unsere Koffer lagen. Wir mussten eine halbe Stunde warten, bis der Regen wieder aufhörte und unser Rettungsboot kam. Nachdem unser, mittlerweile durchnässtes Gepäck, umgeladen wurde und auch wir auf das andere Boot gestiegen waren, konnte es schließlich weitergehen und wir sahen unseren ersten Sonnenuntergang überm Amazonas. Schließlich kamen wir als Allerletzte ein dem Dorf Puerto Narino an. Dafür hatten wir allerdings direkt schon ein Abendteuer erlebt.

Die Dörfer am Ufer des Flusses sind alle sehr verarmt aber dennoch sehr schön, mit den bemalten Holzhütten, die auf Stelzen gebaut sind, falls das Wasser ansteigt. Die Bewohner von Puerto Narino sind Touristen schon gewohnt, weil es hier einige Hotels gibt, so auch Unseres. Wir fuhren auf der Reise aber auch fast jeden Tag zu anderen, weiter entfernten Dörfern, in denen wir von den Einwohnern meisten neugierig aus den Fenstern ihrer Hütten beobachtet wurden. Am interessiertesten sind immer die Kinder, die meistens ein wenig schüchtern zu uns kommen und dann anfangen sich auf Spanisch mit uns zu unterhalten. Die ersten Tage machten wir viele solcher Ausflüge. Auf langen Holzbooten fuhren wir über den Fluss zu verschiedenen Orten und besuchten Ureinwohner, die uns von ihren Kulturen erzählten. Am zweiten Abend durften wir an einer Tradition teilnehmen, die für Mädchen gemacht wird, wenn sie zu Frauen werden. Nachdem sie drei Monate eingesperrt in einer Hütte leben und hier von den anderen Frauen in kochen, flechten und malen unterrichtet werden, kommen sie als Frauen wieder raus und es wird ein großes Fest gefeiert. Wir wurden so bemalt und beschmückt und tanzten gemeinsam mit den indigenen Großmüttern einen Tanz ums Feuer, was ziemlich lustig war, weil es in unserer großen Gruppe natürlich ehr weniger gut funktionierte. Das gleiche Problem hatten wir auch, als wir in der selben Nacht eine Wanderung durch den Regenwald machten. „Wenn wir leise genug sind, können wir viele Tiere sehen“, erklärte uns unserer Führer vorher. Jetzt kann man sich vorstellen, wie leise 50 Jugendliche sind, die im Dunkeln durch einen Wald laufen. Einige sehr große Insekten und einen hochgiftigen Frosch sahen wir aber trotzdem. Am Tag darauf durften wir endlich im Amazonas schwimmen. Das war ein sehr besonderer Moment, auch wenn man nicht daran denken darf, dass man sich gerade das Wasser mit Krokodilen, Anakondas und allen möglichen weiteren Tieren teilt. 

Die ganze Woche über warteten wir alle auf die Möglichkeit die rosa Delfine zu sehen, die es weltweit nur hier am Amazonas gibt. An unserem letzten Tag in Puerto Narino fuhren wir noch einmal raus auf den Fluss, und hatten schließlich Glück. Wenn auch nur von weitem, konnten wir die rosa Flossen der sehr schönen Tiere aus dem Wasser schauen sehen. Anschließend fuhren wir noch zu einem kleinen Nebenfluss des Amazonas. Mit Gummistiefeln stiegen wir hier aus und liefen am Rande des Flusses entlang, bis zu dem größten Baum, den ich in meinem Leben gesehen habe. Allein seine Wurzeln waren riesig und gingen Meterlang neben dem Baum weiter. Wir nahmen uns alle an den Händen, stellten uns zusammen auf und jeder wünschte sich etwas. Jedes Mal, wenn ich hier in Kolumbien an solchen Orten bin, beeindruckt mich das sehr und gleichzeitig macht es mich traurig, dass wir so ein Wunder wie den Regenwald abholzen. Am Schlimmsten finde ich es, wenn ich mich mit den Leuten die hier leben unterhalte und diese mir erzählen, was sie für Projekte zum Umweltschutz machen, obwohl diese Menschen die Letzten sind, die irgendeine Schuld daran tragen.

Nach diesem eindrucksvollen Tag fuhren wir zurück in unser Hotel, um unsere Sachen zu packen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit stanken alle unsere Klamotten nach Fisch und waren ein wenig feucht. Daran hatten wir uns allerdings schon gewöhnt. Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Nach Hause ging es jedoch noch nicht. Der Beste Teil der Reise lag noch vor uns, denn die letzten zwei Tage würden wir in Peru verbringen…

Samstag, 31.03.2018

Semana Santa

Etwas, was oft über Südamerikaner gesagt wird, ist, dass sie nicht nur unpünktlich, sondern auch sonst sehr unorganisiert seien. Das dies kein Vorurteil ist, habe ich in meiner Zeit in Kolumbien immer wieder zu spüren bekommen. Verabredungen werden selten eingehalten und kurz vorher abgesagt, ein Ja bedeutet oft das Gegenteil und es wird nicht weiter geplant als bis zur nächsten Woche. Das ist für mich, als ziemlich organisierter Mensch manchmal wirklich anstrengend. Trotzdem versuche ich es immer wieder, Pläne zu machen, obwohl am Ende nie etwas so klappt, wie ich es gedacht hatte. So war es auch in der Semana Santa (der heiligen Woche), den einwöchigen Osterferien. Schon lange zuvor hatte ich Freunde und meine Familie gefragt und einen Trip organisiert. Kurz vorher ist natürlich alles ausgefallen. Und trotzdem hatte ich eine tolle Woche. Am Besten ist es hier wohl, einfach abzuwarten, was passiert. Denn irgendwas passiert immer.

Nachdem ich die ersten Tage als Einzige meiner Freunde in Ibagué blieb, einfach ausruhte und las, sind meine Eltern schließlich mit mir wieder zu der alten Finka auf die Berge gefahren. Diesmal kam aber die ganze Familie mit: drei Cousins meines Vaters, mit Großeltern und Kindern. Wir waren bestimmt zwanzig Leute und es dauerte mindestens eine Stunde, bis wir all das Gepäck, die Spiele und Zelte auf dem steinigen Weg nach oben geschleppt hatten. Meine Familie war sehr nett zu mir, ich habe ein bisschen Deutschunterricht gegeben und mit den Kindern, die größtenteils noch sehr klein sind, gespielt. Die Tage dort oben sind sehr schnell vergangen und ich habe sie sehr genossen. Abends machten wir Lagerfeuer und tagsüber kochten wir gemeinsam, wanderten ein bisschen in den Bergen und brachten den Kühen Honig. Nachts hatten wir eine Sicht über die ganze Stadt. Zu meiner Verwunderung, gab es an Ostern keine einzige Tradition. Weder den Osterhasen noch bemalte Eier kennt man hier. Das Fest hat ausschließlich etwas mit dem Glauben zu tun und normalerweise geht man einfach nur in die Kirche. Das einzig Besondere sind die Nachstellungen von Jesus Kreuzigung. Die werden in vielen Städten sogar mit echten Schauspielern von der Verurteilung bis zur Kreuzigung nachgespielt und auch das Publikum zieht sich wie zur damaligen Zeit an. Davon bekam ich allerdings in den Bergen nichts mit. An Ostern fing es an stark und ohne Pause zu regnen. Nach Hause mussten wir aber trotzdem. Und so ging es den ganzen Weg zurück. Auf dem glatten Schlamm bin ich ganze drei Mal ausgerutscht.

Noch immer müde von den vorherigen Tagen, musste ich in der darauffolgenden Nacht schon um zwei Uhr wieder aufstehen. Auf Sebastien, Andrea, eine Freundin von uns, und mich wartete ein Reisebus, der uns zu einem Tagesausflug zur Wüste Tatacoa brachte. Die eine Hälfte der Fahrt schliefen wir, die andere Hälfte unterhielten wir uns mit den Fahrgästen, die größtenteils auch aus Ibagué kamen. Unser erster Stopp war ein Park, in dem wir frühstückten und eine Führung durch ein Museum über Dinosaurier bekamen. Darauf ging es direkt zum Desierto de Tatacoa. Die Hitze, auf die ich mich vorbereitet hatte, kam nicht. In der Wüste Tatacoa regnet es ungefähr zehn Mal im Jahr, und durch irgendeinen Zufall, hatten wir genau einen dieser Tage erwischt. Als wir aus dem Bus ausstiegen, konnten wir die Schirme, die wir als Schutz vor der Sonne mitgebracht hatten, sofort als Regenschirme aufspannen. Ich blieb mit meinen Sandalen tief im Boden stecken, sodass ich sie schließlich ausziehen musste und Barfuß durch den Schlamm lief. Geärgert, hat sich über das Wetter aber keiner. Wir fanden die Situation eher lustig, warfen mit Schlamm und machten Fotos mit unseren Regenschirmen. Das Wetter an diesem Tag war sehr seltsam. Kaum, dass wir wieder im Bus saßen, hörte der Regen auf und die Sonne kam raus. Als wir beim letzten Ziel, einem Schwimmbad ankamen, war es richtig heiß, sodass wir uns im Wasser abkühlten und Eis aßen. Hier blieben wir den Rest des Tages, bis der Bus uns zurück nach Hause brachte.

Dienstag, 13.03.2018

Eine Hütte für Indigos

In dieser Woche bin ich zu einem wirklich besonderen Ort gefahren. Nicht weit von meiner Stadt entfernt, gibt es einen riesigen Felsen, dem sechs Wasserfälle entspringen. Um bis zu dem Höchsten von ihnen zu gelangen, ist es ein ganz schön langer Weg, den meine Mutter und wir drei Austauschschüler nur mit langen Pausen, bei den kleineren Wasserfällen, bewältigen konnten. Es war wirklich schön, auf der Strecke in der stickigen Luft und Hitze immer wieder ins kühle Wasser zu springen und die kolumbianischen Familien oder Pärchen zu beobachten, die hier sehr gerne zu kleinen Ausflügen am Wochenende herkommen. In aufgebauten Hütten konnte man Limonade, Chorizo oder frisches Obst kaufen und Salsa hören. Schließlich, ganz oben angekommen, setzten wir uns erst einmal auf eine der Bänke und schauten uns die grüne Aussicht aus Palmen und Bergen an. Um daraufhin den letzten Wasserfall zu erreichen, mussten wir über einen großen Felsen klettern, von dem ich, mit zitternden Knien, beinahe heruntergefallen wäre. Nachdem ich das überstanden hatte, konnte ich endlich meinen Kopf unter den langen Wasserstrahl halten. Bis nach hier oben waren nicht viele Menschen gekommen, sodass wir das große Becken im Felsen fast für uns alleine hatten. An einer Stelle ging es steil hinab und man konnte den Abgrund bis zum untersten Wasserfall sehen. Hier blieben wir, bis es an der Zeit war sich auf den Rückweg zu machen. Am Abend sind wir alle sofort eingeschlafen, aber nicht, ohne vorher noch ein paar Enchiladas zu essen.

Ein weiterer Ausflug, der schon etwas weiter zurück liegt, von dem ich aber trotzdem gerne erzählen möchte, war mit Rotex, Rotarys Studentenorganisation. In einer Gruppe von etwa zwanzig Leuten fuhren wir in ein indigenes Dorf, zwei Stunden entfernt von Ibagué. Ich saß gemeinsam mit fünf von ihnen in einem Auto. Wir haben die ganze Fahrt gesungen und uns unterhalten. Unsere Aufgabe in dem Dorf war es, eine Hütte für die Indigos zu bauen. Das Grundgestell war schon fertig. Wir mussten nun die riesigen Blätter sortieren, um sie danach auf das Dach zu legen. Das war ganz schön viel Arbeit, und ganz fertig geworden sind wir nicht. Die Hütte soll später für Versammlungen und traditionelle Feste benutzt werden. Nach der Arbeit wurde uns Kaffee und etwas zu essen angeboten. Was mich hier immer wieder wundert ist, dass in Kolumbien, dem Land des Kaffees, kaum welcher getrunken wird. Immer und überall gibt es Coca-Cola und die einzige, die den guten Kaffee wirklich genießt bin ich. Nach dieser Pause schauten wir uns alle gemeinsam die Umgebung an und neben einem Abhang endete es wie immer einen langen Fotomarathon. Etwas weiter zeigte uns eine der Ureinwohnerinnen zwei heilige Steine, der Eine mit Moos bewachsen, soll schlechte Energien geben, der Andere, ein sehr viel größerer kahler Stein, soll Gute geben. Da die Mittagssonne so stark schien, dass man das Gefühl hatte, direkt zu verbrennen, konnten wir hier nicht lange bleiben. Also ging es schnell wieder zu unseren Autos. Auf der Rückfahrt hatten wir so viel Spaß, wie auf dem Hinweg. Dieser Tag war nicht zuletzt sehr besonders, weil ich hier sehr gute Freunde fand.

    

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