Montag, 08.01.2018

Feuerwerk über Medellín

Die Stadt, bei dessen Namen die meisten Leute zuerst an Pablo Escobar denken, den kolumbianischen Drogenboss, der von dort aus den weltweiten Kokainhandel kontrollierte, hat sich schon lange weiterentwickelt. Heute ist Medellín einer der organisiertesten und modernsten Orte Kolumbiens, mit guten Universitäten, vielen bekannten Museen und der einzigen Straßenbahn des Landes. Ich hatte das Glück, dass meine Familie hier jedes Jahr zu Neujahr Freunde besucht. So konnte auch ich diese Stadt ein wenig kennenlernen.

Medellín Parque Botero

Die Fahrt dauerte etwa sieben Stunden. Medellí­n liegt in dem sehr großen und bekannten Bundesstaat Antioquia, der sich vom Andengebiet bis zur Karibikküste erstreckt. Auf dem Hinweg machten wir zwischendurch einen Stopp in Armero, einem Geisterdorf, dass vor dreißig Jahren von einer Lawine des nahegelegenen Vulkans Nevado del Ruiz zerstört wurde. Etwa 25 Tausend Menschen verloren dabei ihr Leben. Heute besteht Armero nur noch aus ein paar Ruinen. Da der Vulkan immer wieder ausbrechen könnte, wurde es nie wiederaufgebaut. Den Rest der Fahrt schlief ich durch. Ich wachte erst auf, als wir auf einem der Berge, die Medellí­n umgeben, ankamen. Es war schon Abend und wir sahen die einzelnen Lichter der Stadt. Nicht weit entfernt von diesem Punkt leben die Freunde meiner Familie: eine Mutter mit ihren drei Kindern, zwei Mädchen und ein Junge, alle etwa in meinen Alter. Direkt beim Abendessen auf deren großen Balkon, mit Ausblick über die ganze Stadt, verstanden wir uns sehr gut und spielten anschließend fast die ganze Nacht Karten. Die ersten Tage blieben wir die meiste Zeit im Haus, sahen zusammen "Juegos de Tronos", gingen einkaufen oder spazieren. Abends schauten wir uns die Weihnachtsbeleuchtung der Stadt an. Es wird gesagt, Medellí­n sei einer der schönsten Städte an Weihnachten, und das kann ich mir gut vorstellen. Alles ist beleuchtet: die Hochhäuser, die Wohnsiedlungen, Straßen und Parks. An vielen Orten stehen riesige Tannen oder Rentiere. Als wir das Zentrum besuchten, konnte ich mir im Parque Botero die großen, dicken Bronzestaturen Fernando Boteros, dem Künstler dessen Kunst ich schon aus Bogotá kannte, anschauen. In dem ehemaligen Anwesen eines bekannten Politikers, welches heute ein Museum ist, hingen weitere Bilder Boteros und moderne Werke südamerikanischer Künstler. Am Tag vor Silvester fuhren wir zum Pueblito Paisa, einer Nachstellung eines für die Gegend Medellíns typischen Dorfes. Und dann war es schon der 31. An diesem Tag lassen die Bewohner der Stadt morgens meterhohe Drachen fliegen, die man von überall aus sehen kann. Auf dem Weg zum Einkaufen sah ich die ersten brennenden Puppen. Eine südamerikanische Tradition ist es, am letzten Tag des alten Jahres Stoffpuppen, gerne mit den Gesichtern von unbeliebten Politikern, zu verbrennen. Einen weiteren Brauch lernte ich um zwölf Uhr kennen. Nachdem wir uns alle ein "Feliz Ano Nuevo" gewünscht hatten, gab es für jeden zwölf Weintrauben, die man hintereinander essen und sich zu jeder Traube etwas für 2018 wünschen musste. Gleichzeitig ging in der Stadt das Feuerwerk los, welches wir von unserem Balkon aus gut sehen konnten. Das war ein sehr schöner Anfang des neuen Jahres.

FamiliaNuevo Ano

Bevor wir von Medellín nach Hause fuhren, besuchten wir gemeinsam mit unseren Freunden noch Guatapé, ein bekanntes Dorf, nicht weit von der Stadt entfernt. Schon von weitem, konnte ich die berühmte Sehenswürdigkeit Guatapés sehen: einen riesengroßen Stein, von dem niemand weiß, woher er kommt. Natürlich hat jeder seine Theorie. Viele Menschen sagen, er sei ein Meteoroid, andere meinen, einfach ein normaler Stein und es gibt auch Leute, die fest davon überzeugt sind, es handele sich um das Ei eines Drachens. Was sicher ist, dass der Stein von Guatapé sehr hoch ist. Ich bestieg die 800 Treppenstufen als Erste und konnte von oben die grüne Landschaft voller Seen und Flüsse erblicken. Am Abend besichtigten wir das Dorf. Hier ist wirklich jedes Haus bunt bemalt. Dadurch sehen die schmalen Gassen total schön aus. Auf einem kleinen Platz in der Mitte Guatapés spielen immer Künstler aus aller Welt. Ein Mädchen aus Indien tanzte in orangen Gewändern einen typischen Tanz. Anschließend schauten wir uns einen sehr guten Jongleur an. Als es dunkel wurde, kam eine peruanische Band, die traditionelle Musik spielte. Da fingen wieder alle zu tanzen an. Auf dem Weg zu unserem Hostel fiel mir auf, wie viele Touristen hier herumliefen. Tatsächlich waren meine Eltern die einzigen Kolumbianer in unserer Herberge. Ich traf viele Amerikaner und auch Deutsche, mit denen ich mich am Abend unterhielt. Am Tag darauf wartete ein kleines Boot auf uns, mit dem wir eine Tour durch die vielen Flüsse machten. Dabei kamen wir auch an einem von Pablo Escobars früheren Häusern vorbei, in dem er einmal beinahe, lange vor seinem Tod, gefasst worden wäre. Mann kann noch die Schusseinschläge sehen und den Tunnel, durch den er damals zu seinem U-Boot geflohen ist. Auf einer Insel besichtigten wir ein altes Haus, welches das einzig Übergebliebene von einem ganzen Dorf ist. All die anderen Häuser, die Gemeinde und das Rathaus liegen heute unter Wasser. Nach dieser Tour mussten wir uns schon wieder voneinander verabschieden, der Rückweg nach Ibagué stand bevor. Dies machten wir aber nicht, ohne noch einmal gemeinsam zu Mittag zu essen. Es gab Bandeja Paisa, das typische Gericht aus Medellín mit Chorizo, Bohnen, Banane, Reis, Hackfleisch, Ei und Avocado.

Der Stein Guatapés Guatapé  Escobars Haus Bandeja Paisa 

 

Samstag, 30.12.2017

¡Feliz Navidad!

Bevor ich nach Kolumbien gegangen bin, wurde mir von ehemaligen Austauschschülern immer wieder gesagt, dass Weihnachten die schwerste Zeit des Jahres sei. Und zum Teil stimmt das auch. Immerhin ist es ein Fest der Familie, und jede Familie hat ihre eigenen Traditionen und Vorgänge, die ich wirklich ein bisschen vermisst habe. Dazu kommt, dass ich bei dreißig Grad und praller Sonne, egal wie viele Nikoläuse und Lichterketten an den Palmen hängen, einfach nicht in Weihnachtsstimmung kommen konnte. Trotzdem war es auch eine schöne Erfahrung, Weihnachten einmal in einem anderen Land zu verbringen und zu sehen, dass trotz vieler Unterschiede, der Kern des Festes überall gleich ist.

Über das Fest der Lichter habe ich bereits geschrieben. Dieses findet am 15. Dezember statt und ist der offizielle Beginn der Weihnachtszeit. Dekoriert wird aber schon lange vorher, im November. Und das nicht zu wenig. Innerhalb von zwei Tagen haben unser Hausmädchen, mein Bruder und ich unser Haus in eine bunte Nikolauswohnung verwandelt. Von weinroten Stoffbezügen für unsere Stühle über eine Eisenbahn bis zum bunten Plastiktannenbaum, in dem Nikolaus-Stofftiere hingen, blieb kein Zentimeter ungeschmückt. Fast jedes kolumbianische Haus hat auch eine große Krippe, die nicht nur aus Stall, Maria, Joseph und dem Jesuskind besteht, sondern aus einer ganzen Landschaft, mit Häusern, Wüste, den Hirten und den Heiligen Drei Königen. Um diese Krippen versammelt man sich bei den Novenas, der wichtigsten Tradition in der kolumbianischen Adventszeit. Neun Tage lang, vom 15. bis zum 24. Dezember, trifft man sich jeden Abend im Haus von Nachbarn, Familie oder Freunden. Hier wird eine Art kleiner Gottesdienst gehalten, in dem immer die gleichen Lieder gesungen und Texte gelesen werden (da ich die Austauschschülerin bin, wurde dafür so gut wie immer ich gefragt). Anschließend sitzt man gemeinsam beisammen, unterhält sich, trinkt Aguarpanela und isst Panuelos, ein Gebäck, das mit deutschen Quarkbällchen vergleichbar ist und Natilla, eine Art milchiger Wackelpudding, den ich schon nach drei Tagen nicht mehr runterbekam. Diese Novenas sind eine sehr schöne Tradition und waren die Momente, an denen ich mich am weihnachtlichsten gefühlt habe. Am besten fand ich die Novena von Freunden, auf einer Dachterrasse. Hier haben wir mit Blick über die Stadt Marshmallows in einem kleinen Feuer geröstet. Dank meiner Adventspakete aus Deutschland, hatte ich auch einen Adventskranz und einen Schokokalender, den es hier nicht gibt. An den Tagen vor heilig Abend, war ich sehr viel im Zentrum, um Weihnachtsgeschenke zu suchen. Dabei sah ich die vielen Beleuchtungen der Stadt und auch immer wieder von oben bis unten beleuchtete Häuser, wie man sie aus den USA kennt. Der Heiligabend verlief beinahe genauso, wie Zuhause. Am Nachmittag bin ich mit meinen Eltern in die Kirche gegangen, der Gottesdienst war gar nicht so ewig lang, wie ich es hier befürchtet hatte. Im Gegenteil, es wurde nur die Weihnachtsgeschichte gelesen und ansonsten hauptsächlich gesungen. Nach der Kirche kamen meine Großeltern und die zwei jüngeren Schwestern meiner Mutter zu Besuch. Mein Vater hatte ein Fleischgericht mit überbackenem Ei, "Muchacho Relleno", gekocht. Nachdem gemeinsamen Essen mussten wir für die Bescherung bis zwölf Uhr nachts warten. Als es soweit war, wurde jeweils ein Päckchen unter dem Baum hervorgeholt und an die entsprechende Person verteilt. Fast alle schenkten sich Kleidung. Meine Familie freute sich sehr über meine Geschenke. Ich bekam, wie ich es mir gewünscht hatte, einen Poncho und dazu noch ein Trikot von unserer Fußballmannschaft. Am nächsten Morgen, dem ersten Weihnachtstag, fuhren wir zum Frühstück zu unseren Großeltern und schauten den Tag über alle zusammen Filme an. Abends wurde bei Nachbarn noch Musik gespielt und getanzt. So endete mein Weihnachten auf ganz kolumbianische Art.

Novena Muchacho Relleno

 

Freitag, 22.12.2017

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Ich wünsche allen frohe Weihnachten und alles Gute fürs neue Jahr!

Liebe Grüße aus dem sonnigen Kolumbien!

Frieda

Freitag, 22.12.2017

Dia de la Vela

Finka

Meine Ferien vergehen, so wie immer, viel zu schnell. Einen großen Teil der Zeit verbringe ich mit den anderen Austauschschülern. Wir schauen uns Filme im Kino an, laufen durch die Einkaufszentren und durch die Stadt, kochen gemeinsam oder gehen Essen (jedes Mal, wenn wir dann schauen, wie viel das in Euro kosten würde, sind wir erstaunt, wie billig hier alles ist). Gemeinsam haben wir auch, da Maddy aus den USA kommt, "Thanksgiving" gefeiert. Das ist wirklich toll an einem Schüleraustausch. Während ich in Kolumbien bin, lerne ich auch viel über ganz andere Länder und Kulturen und finde Freunde aus der ganzen Welt. Ab und zu treffe ich mich auch mit Kolumbianern, viele sind jedoch im Urlaub. Auf einer Geburtstagsparty habe ich eine Gruppe Studenten kennengelernt, die mich zum Campen in die Berge eingeladen haben. Darauf freue ich mich schon sehr. Mit meiner Familie war ich auf einer Kommunion. Wie zu erwarten, sind die Mädchen in Lateinamerika noch gestylter als bei uns. Mit ihren langen Kunsthaar-Zöpfen, perfektem Makeup und bodenlangen Kleidern, erinnerten sie mich an kleine Bräute. Nach der kirchlichen Zeremonie, zu der zwei Jungen und ein Mädchen viel zu spät kamen und so im letzten Moment zum Altar rennen mussten, fuhren wir auf eine Finka, um die Konfirmation zu feiern. Auch wenn ich bis jetzt jede Finka die wir besucht haben unheimlich schön fand, war diese ganz besonders toll. Eine ganze Stunde mussten wir durch die Berge fahren, bis wir auf dem riesigen Grundstück ankamen. Hier gab es Kühe, Pferde und Hunde, viele alte Gebäude, eine von diesen langen Schaukeln und einen Balkon, auf dem wir ein kolumbianisches Fleischgericht aßen und später getanzt wurde.

 Konfirmation         Abschlussball

Da wir beim nächsten Schuljahresende ja nicht mehr in Kolumbien sein werden, sind Sebastien und ich auch zu dem Abschlussball des diesjährigen elften Jahrgangs gegangen. Dieser unterschied sich gar nicht so sehr von deutschen Abibällen: gutes Essen, ein paar Fotos aus der Schulzeit und danach Tanzen. Ein weiteres Fest, was ich in der letzten Zeit kennengelernt habe, war der Dia de la Vela, der Tag der Lichter, mit dem die Weihnachtszeit beginnt. In der ganzen Stadt werden Kerzen aufgestellt und jeder hat auch einige vor seiner Haustür. Das sieht wunderschön aus, und es soll Maria den Weg zu seinem Haus weisen. Da Südamerika sehr katholisch ist, findet man Maria und Jesus hier überall und das nicht nicht nur zu Weihnachten. Ich habe den Dia de la Vela in meiner Wohnsiedlung gefeiert. Gemeinsam mit unseren Nachbaren saßen wir in einem Kreis und tranken Aguapanela, eine Mischung aus Wasser, speziellem Zucker und ein wenig Aguardiente. Hier lernte ich die anderen Jugendlichen aus meiner Siedlung kennen, und wir machten ein Feuer in dem wir Marshmallows und Chorizo rösteten. Bei dem Besuch von Freunden meiner Familie, traf ich auf zwei Amerikaner, die nach Kolumbien ausgewandert sind. Als mich beim Sancoche Essen, einer typischen Suppe, mit Fleisch, Platano, Mais und Koriander, von einer Seite die Amerikaner über Deutschland ausfragten, ich gleichzeitig auf Spanisch das Prinzip eines Schüleraustausches erklären musste und von der anderen Seite zwei kleine Mädchen von mir auch noch deutsche Wörter wissen wollten, kam ich mit den drei Sprachen total durcheinander. An den anderen Tagen bin ich, wann immer es möglich war, zu unserem Pool gegangen. Die Regenzeit geht langsam zu Ende und es ist hier wieder so heiß, wie am Anfang meines Jahres. Deshalb komme ich auch nicht so wirklich in Weihnachtsstimmung. Trotzdem freue ich mich schon auf den 24., der immer näher rückt, und suche bereits fleißig Geschenke für meine Familie.

 Dia de la Vela                                 

Mittwoch, 13.12.2017

Mit der Chiva durch Cartagena (Karibik Teil 3)

Monserrate

Samstag, 27.11.2017

Die Zeit auf der Reise verging sehr schnell und so mussten wir an diesem Morgen Tayrona auch schon wieder verlassen. Diesmal gab es für uns allerdings keine Pferde, also ging es den ganzen Weg zu Fuß zurück. Dieser Tag war sehr heiß, und es gab nirgendwo Wasser zu kaufen, sodass mir zwischendurch immer wieder schwindelig wurde. Die meiste Zeit lief ich zusammen mit einer Freundin aus Frankreich: die Beine zur Hälfte im Schlamm, über kleine Wege und vorbei an weiteren Stränden. Unsere Reiseleiter hatten uns zuvor verboten, barfuß zu laufen, weil es hier Insekten und viele Splitter gab. Das war aber unmöglich: alle zwei Schritte blieben meine Schuhe im Schlamm hängen, sodass ich sie bald doch auszog. Die Folge war, wie vorhergesagt wurde, ein zerschnittener und zerstochender Fuß. Am Ende des Weges kamen uns immer mehr Touristen entgegen und jedes Mal, wenn jemand Deutsch sprach, begrüßten wir uns freudig. An einem Sammelpunkt wartete ein Bus auf uns. Den größten Teil der Fahrt habe ich geschlafen. Einmal hielten wir zum Mittagessen an. Am Abend kamen wir in Cartagena, der wunderschönen Hafenstadt Kolumbiens, an. Auch wenn es schon dunkel war, konnten wir, Dank der Weihnachtsbeleuchtung und der vielen Laternen, alles gut sehen. Cartagena ist eine der ältesten Städte Kolumbiens und ihre schönen, alten Häuser und kleinen Gassen erinnerten mich an Italien. Zum Erkunden der Stadt war es allerdings schon zu spät. Wir fuhren sofort ins Hotel, und nachdem wir den Geburtstag einer Austauschschülerin feierten, gingen wir schlafen.

Sonntag, 28.11.2017

Auch am nächsten Morgen sollten wir Cartagena noch nicht richtig zu sehen bekommen. Früh fuhren wir zum Hafen, an dem drei Boote auf uns warteten. Den Tag über fuhren wir zur Isla de Encanto, "Insel der Wünsche", einem sehr teuren Urlaubsort, an dem wir einfach entspannen, im Meer baden oder eine Massage bekommen konnten. Das Mittagessen auf dieser Insel war das Beste, was ich seit langem gegessen habe. Richtige Salate (in Kolumbien versteht man unter Salat meistens ein trockenes Blatt mit einer Tomate ohne irgendein Dressing), gutem Fisch und ganz viel Gemüse. Am Nachmittag holten uns die Schiffe wieder ab, und wir fuhren zu einer anderen Insel, auf der wir ein Aquarium anschauten. Hier sahen wir große Haie, verschiedenste Fische und Delphine. Als wir danach wieder zurück zum Hafen fuhren, dämmerte es bereits. Unser Kapitän erklärte uns, dass Cartagena bei Nacht am schönsten sei. Auf dem Rückweg konnten wir auch die andere Seite der Stadt sehen. Als großer Gegensatz zur Altstadt, stehen hier viele Wolkenkratzer, die beim Sonnenuntergang eine tolle Skyline abgaben. Wieder an Land durften wir uns das älteste Viertel Cartagenas anschauen. Es ist umgeben von einer hohen Stadtmauer, die noch aus der Zeit der Kolonialisierung stammt und als Schutz vor britischen Piraten diente. Das Zentrum ist sehr schön, und sieht tatsächlich ein wenig aus wie Italien. Es gibt kleine Balkone, verschnörkelte Häuser, lange Gassen und viele Verkäufer und Straßenkünstler. So trafen wir zum Beispiel auf "Iron Man" und "Captain America". Außerdem steht hier die Kirche, die auf dem Titelbild meines Blogs zu sehen ist. Nach der kurzen Tour fuhren wir noch zusammen in einer Chiva. Diese war aber extra für Touristen gemacht, und nicht vergleichbar mit der, die ich mit meiner Klasse gemietet hatte. Im Hotel mussten wir wieder alles reisebereit machen. In Cartagena blieben wir leider nur einen Tag. Ich hätte gerne noch sehr viel mehr gesehen und ich weiß schon, dass diese Stadt einer der ersten Orte sein wird, den ich noch einmal besuchen werde, wenn ich nach Kolumbien fahre.

Isla de encanto   Chiva 

Montag, 29.11.2017

Die letzten beiden Tage verbrachten wir in Bogotá. Nach einer Woche Karibik war es sehr angenehm, aus dem Flugzeug in die kühle Luft der Hauptstadt zu steigen. Ich hatte kein einziges, trockenes Oberteil mehr, und so gab es aus dem Flughafenshop erst einmal ein Kolumbien-Shirt. In einem gemütlichen, traditionellen Restaurant aßen wir zu Mittag und nahmen mit unserer großen Gruppe damit die gesamten drei Stockwerke des Hauses ein. Nur eine Straßenecke neben dem Restaurant befand sich das moderne Kunstmuseum, welches unser erstes Ziel in der Stadt war. Neben Bildern aus aller Welt und vielen Fotoreihen südamerikanischer Künstler hängen hier auch einige der Werke von Fernando Botero, dem Kolumbianer, der für seine dicken Figuren berühmt ist. Nach dem Museumsbesuch spazierten wir durch ein bekanntes Künstlerviertel und schauten uns die Regierungsgebäude an. Bei meinem ersten Besuch in Bogotá, hatte ich diese sehr viel interessanteren Stadtteile, gar nicht gesehen. Am Abend fuhren wir mit einer Gondel auf den Berg Monserrate. Das Foto, welches wir dort, mit all unseren Flaggen, gemacht haben, hat es bis in die Zeitung und in einen Fernsehbericht geschafft.

(Link zum Artikel: http://www.eltiempo.com/bogota/monserrate-uno-de-los-destinos-turisticos-preferidos-por-extranjeros-159642 )  Der Ausblick auf die im dunkeln leuchtende Stadt war eindrucksvoll, obwohl wir alle vor Kälte zitterten. Wenn auch auf der Packliste "warme Jacke für Bogotá" stand, so hatte das, hier in Kolumbien, keiner ernst genommen. Am nächsten Tag war ein großer Teil unserer Gruppe erkältet. Unsere letzten, gemeinsamen Stunden, verbrachten wir im Museo del Oro, im Goldmuseum. Hier konnte man etwas über die Ureinwohner Südamerikas vor der Kolonialisierung erfahren und ganz viele ihrer Werke, von Handwerkszeug bis Schmuck, sehen. Wirklich viel Aufmerksamkeit hat der Ausstellung aber kaum jemand geschenkt, weil uns danach die Verabschiedung bevorstand. Obwohl wir uns ja auf den anderen Reisen wiedersehen werden, ist dieser sehr schwer gefallen. Schließlich endete die Reise für mich, wie sie begann: mit Maddy und Sebastian im Flugzeug nach Ibagué, diesmal allerdings mit schönen Erinnerungen im Kopf und einem neuen Sombrero unterm Arm.

Botero     

 

Montag, 11.12.2017

Tayrona (Karibik Teil 2)

Donnerstag, 25.11.2017

Einen Großteil des Tages verbrachten wir im Bus. Dabei fuhren wir fast die halbe Karibikküste Kolumbiens ab. Nur zum Mittagessen machten wir eine Pause. An einem großen Fluss aßen wir guten Fisch und fuhren anschließend Kajak. Ich war mit Maddy in einem Boot und nach anfänglichen Schwierigkeiten, haben wir fast alle anderen überholt. Um uns herum wuchsen hohe grüne Bäume, es sah fast so aus, als wären wir schon im Amazonasgebiet. Auf dem Rückweg konnten wir uns einfach im Wasser neben unserem Boot mit der Strömung treiben lassen, bis wir fast ans Ufer gespült wurden und nochmal anfingen zu rudern. Nass, schmutzig und müde saßen wir anschließend alle wieder im Bus und konnten es kaum abwarten, endlich zu unserer nächsten Herberge zu gelangen. Es dämmerte bereits, als wir in einem Waldstück, welches schon zum Nationalpark Tayrona gehörte, anhielten. Tayrona ist einer der bekanntesten und beliebtesten Touristenziele Kolumbiens und es gibt unzählige Gebiete und Landschaften, die man hier besuchen kann. Als ich aus dem Bus stieg, wurde ich sofort, mit all meinen Sachen bepackt, von einem Kolumbianer auf ein Pferd gesetzt. Nach einem Klapps auf dessen Hinterteil, ist es mit mir los getrabt und wenig später, befand ich mich alleine, auf einem fremden Pferd im Wald, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie ich stoppe oder die Richtung angebe. Das Tier wusste aber ganz von allein den Weg und schnell sind wir zu anderen Austauschschülern gestoßen. Mit der Zeit wurde es dunkel und der Weg immer steiler, sodass wir manchmal Angst hatten, dass unsere Pferde zwischen den großen Steinen, die auf dem Weg lagen, ausrutschten. Irgendwann konnten wir die Häuschen für die nächste Nacht sehen. Wieder schliefen wir in Hängematten, doch diesmal in deutlich luxuriöseren. Zu unserer großen Freude, (wir waren schon komplett vollgestochen), gab es in dieser Nacht sogar Moskitonetze. Nachdem ich aus der Dusche kam, regnete es so stark, dass ich mit einer Freundin über eine Stunde in der Duschhütte festsaß, was aber kein Problem war. Endlich wieder trocken, fanden wir es sehr gemütlich, unter der Überdachung zu sitzen, den Regen zu hören und uns zu unterhalten.

Unterwegs im Bus Kajak

Freitag, 26.11.20017

Dieser Tag war für mich der wahrscheinlich abenteuerlichste und vielleicht auch schönste, der ganzen Reise. Aufgeweckt wurde ich von den lauten Geräuschen der Grillen und Frösche, die hier ganz anders klingen. Beim Frühstück haben wir kaum geredet, weil wir schon zur Mitte der Reise sehr übermüdet waren. Nachdem ich etwas gegessen und mir meine Flasche Wasser für den Tag abgeholt hatte, wurde ich aber gleich schon viel wacher. In der großen Gruppe, wir waren übrigens siebzig Jugendliche, sind wir losgegangen, tiefer hinein in den Nationalpark. Da es in der Nacht zuvor geregnet hatte, war alles sehr nass und schlammig und schnell zog jeder seine Schuhe aus. Barfuß ging es sehr viel besser voran. Nach einem langen Lauf, durch einen Wald aus Palmen, konnten wir das Meer sehen. Baden durften wir hier aber noch nicht. Die Wellen an dieser Stelle waren sehr hoch und ein Schild warnte, dass hier schon viele Menschen ertrunken seien. Als ich ein Paar Fotos machte, wurde ich auch sofort von einer riesigen Welle eingeholt. Als nächstes mussten wir an großen Steinen vorbeiklettern. Nach einem weiteren Waldstück stand ich vor einem kleinen Abhang und konnte einen weiteren, traumhaften Strand, umgeben von Bergen und Palmen, sehen. Ich bin schnell wieder zu den Anderen gestoßen und ins Wasser gerannt. Gemeinsam sind wir weiter rausgeschwommen, zu einem kleinen Felsen, auf dem sich riesige Krabben sonnten. Danach lag ich einfach auf dem Wasser, habe mir die Umgebung angesehen und mir versprochen, dass ich diesen Moment niemals vergessen werde. Dieser Strand war aber nicht unser einziges Ziel, deshalb mussten wir bald weiterlaufen. Unseren nächsten Stopp erkannte ich schnell wieder: dieser, noch schönere Strand, mit einem Felsen im Wasser und Aussichtsplattform ist eins der ersten Suchergebnisse, wenn man Kolumbien im Internet googelt. Dementsprechend waren hier auch sehr viele Touristen und Backpacker aus aller Welt. Es war sehr schön mal wieder verschiedene Sprachen zu hören und andere Menschen zu sehen. In Ibagué habe ich bis jetzt, außer den anderen Austauschschülern, noch keinen einzigen Ausländer getroffen. Nach dem Mittagessen (selbstgemachte Pommes, welch ein Glück, dass ich an diesem Tag "Vegetarierin" angegeben habe), besichtigten wir die Plattform und schwammen wieder im Meer. Auf dem Rückweg fing es an, stark zu gewittern. Der Himmel verdunkelte sich sehr schnell und die Palmen wippten hin und her. Hätte mich ein Kolumbianer nicht auf die Tiere hingewiesen, hätte ich meinen Weg durch einen kleinen See mit Krokodilen abgekürzt. Wieder zurück in unserer Herberge, unterhielten wir uns noch mit einer Gruppe Backpacker. Ich kann es kaum abwarten, alleine nochmal nach Kolumbien zu kommen und selbständig herum zu reisen.

  

 

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